Diplomarbeit M-Art Schmuck
Fotos Schmuck Holz-/ Linolschnitte Malerei Ausstellungen

Home

 

Schmuck SelectionSchmuck SelectionKetten Schmuck2006 Schmuck2007 Schmuckinspirationen Ringwanderung Diplomarbeit
  Emailarbeiten 

 

Peter Leister M-Art-Schmuck Diplomarbeit

     

Thema

„Ich-Du-Sie-Er“

   

oder

   

Chinesisches Zeichen fuer Ich mir mich mein. Ubersetzung von Ich mir mich mein in chinesische Schrift, Zeichen Nummer 1.

Chinesisches Zeichen fuer Du und ich in alle Ewigkeit. Ubersetzung von Du und ich in alle Ewigkeit in chinesische Schrift, Zeichen Nummer 1.

Chinesisches Zeichen fuer weiblich Frau. Ubersetzung von weiblich Frau in chinesische Schrift, Zeichen Nummer 1.

Chinesisches Zeichen fuer Mann mannlich. Ubersetzung von Mann mannlich in chinesische Schrift, Zeichen Nummer 1.

Ich, mir,

mein, mich

Du, dich

Frau für Sie

Mann für Er

 

Wie könnte dann ‚Liebe’ aussehen? (frei nach Pit) Natürlich unterhalb der Kopfebene wie die Summe aus Mann und Frau und im Kopf der grosse Sturm, also so:

 

 

                                               Chinesisches Zeichen fuer lieben Liebe. Ubersetzung von lieben Liebe in chinesische Schrift, Zeichen Nummer 1. Liebe! Zu abstrakt? Nein! …oder doch?

 

Leitung Diplomsemester: Nicole Geiger (NG)

 

Peter Leister
Eichmatt 36

CH 3326 Krauchthal
              
www.art-ist.ch

 

 

Caminos – Wege

Warum hast du dieses Schmuckstück als Beispiel für deine bisherige Schmuckarbeit und als repräsentativ für einige deiner Wesenszüge gewählt?

Es steht für meine Vergangenheit und auch für meine Zukunft. Ich bin immer gerne neue Wege gegangen. Dies galt für mich als Ingenieur und Pharmazeut bis Juni 2004 aber auch für meine künstlerische Betätigung bereits ab ca. 1960. Seit 2004 wandere ich intensiv auf den ‚Wegen der Kunst’. Hierbei schätze ich es, gelegentlich auch auf bereits vertraute Wege zu stossen.

 

 

Was hat sich an deinem künstlerischen Ausdruck und an deiner Art zu arbeiten in den letzten Jahren geändert?

 

 

Von den 60ern bis Mitte der 90er Jahre war mein Antrieb zum Malen meistens ein tief empfundener emotionaler Impuls, Erlebtes, Empfundenes zu verarbeiten. In diesen Situationen nahm ich eine Leinwand oder ein Stück Papier und malte spontan und intuitiv in einer Nacht ein Ölbild. Ich folgte der aktuellen Wahrnehmung der Farben, des Inneren, der Umwelt und der Dynamik auf der Leinwand.

 

 

Heute faszinieren mich einfache, flächige, klar strukturierte Arbeiten, denen ein Designprozess vorausgegangen ist, u.a. auch auf dem PC (siehe Caminos), allerdings mit entsprechenden Konsequenzen beim Zeitaufwand. Aber auch heute möchte ich das spontane Erleben der Wechselwirkung von Werkstoff und Werkzeug nicht missen. Bei mir bestimmt der Werkstoff das Ergebnis des Gestaltungsprozesses wesentlich mit.

 

 

Warum stellst du Schmuck her?

 

 

Das Faszinierende am Schmuck sind die kostbaren und schönen Materialien und die dritte Dimension. Der Umgang mit Farben und Formen entspricht weitgehend meiner Begeisterung für einfache, flächige, abstrahierte Darstellungen. Gut gestalteter Schmuck hat mich immer wieder begeistert, und wenn ich in einem Museum ägyptischen, keltischen, etruskischen, römischen, art déco oder art nouveau Schmuck sah, dann wirkte dieser lange in mir nach. Einmal waren es die Farben der verwendeten Materialien, dann wieder die fein gestalteten Relieffe an Ringen. Natürlich ist es auch wunderschön, Objekte herzustellen, die durch deren BesitzerInnen mit Stolz getragen werden.

 

 

Wo und wie möchtest du in der Zukunft Akzente setzen?

 

 

Ich fühle mich auf dem jetzt eingeschlagenen Weg sehr wohl. Ich habe die Zeit und die Begeisterung, Existierendes in Frage zu stellen, Unbekanntes auszuprobieren, dabei auf Probleme zu stossen und dann dafür zu kämpfen, diese Probleme auszuräumen und den Prozess zu beherrschen. So arbeite ich an Techniken, die nicht zu den Inhalten meiner abzuschliessenden Schmuckkünstlerausbildung gehörten, wie das Fassen von Steinen und das Arbeiten mit Email. Mit Letzterem konnte ich auch im Bereich Schmuck einen Kreis schliessen hin zu meinen Acryl-/Ölgemälden. Hierbei wirkt die Inspiration in beiden Richtungen, vom Design, einem Gemälde oder Holzschnitt in Richtung Schmuck oder umgekehrt.

 

 

Allerdings glaube ich fest daran, dass gutes Design nicht nur aus dem Kopf und über Skizzen erschliessbar ist. Es ist die Arbeit mit dem Material selbst, das Erfahren, wie es sich bei verschiedenen Bearbeitungstechniken verhält, was zu material- und werkzeugspezifischen Kreationen führt.

 

 

Wie definierst Du Qualität?

 

 

Bei aller Begeisterung, neue Wege zu erkunden und zu gehen, an Problemen zu arbeiten und diese zu lösen – einfach kreativ zu sein -, verpflichte ich mich einer praxistauglichen und bezahlbaren Qualität, die einem Käufer meiner Schmuckunikate und mir Freude bereitet. Für Schmuckstücke in Gold oder Silber habe ich einen Stempel (siehe ganz oben links) bei der eidgenössischen Edelmetallkontrolle eintragen lassen. Mit diesem sind meine Arbeiten mit definiertem Edelmetallgehalt gekennzeichnet. Schmucksteine beziehe ich von etablierten Fachhändlern.

 



Zusammenfassung und Konklusion vom 15.2.2007 zum Thema Ich-Du-Sie-Er

Ich will bewusst Clichés verwenden, da sie identifizieren helfen und die Kommunikation vereinfachen. Clichés, warum nicht? Sie sind in weiten Gesellschaftskreisen akzeptierte und bekannte Abstraktionen.
Ich will die vier Individuen einzeln, jedes für sich darstellen. Im  Verlauf der Arbeit, besonders am Schluss, möchte ich analysieren, welche Brücken geschlagen  und welche Gemeinsamkeiten von mir als wesentlich erlebt wurden. Hierbei stehe zwangsläufig Ich als der Handelnde, Fühlende und Denkende im Zentrum.

 

Ich will meinen immer wieder gehegten Wunsch nach Abstraktion, Einfachheit und Klarheit zurückstellen, wenn es darum geht, Verspieltes, Buntes, Lebhaftes, Emotionales, Bildhaftes auszudrücken, das bei dem Gedanken an das ewig Weibliche, SIE, Frau. Einfach anziehend, magnetisch anziehend.

 

Ich will Er für Mann stehen lassen. Kantig, klar, verstandesgeprägt, hart, kontrastreich, hell-dunkel. Hard as a Rock!

Ich will Du für meine Frau stellen. Ich sehe einen Kreis, eine Kugel tief blau strahlender Sterne, Satelliten, mich ständig auf ruhiger Bahn umkreisend und durch ihr Licht ruhig und ausgeglichen stimmend.

 

Ich will Ich sein. ‚Ich bin Ich’. Eine überraschende Entdeckung, vielleicht, wie in dem Kinderbuch. Vielleicht Ich im Universum, Ich im Zentrum –warum nicht?-, Ich, mal schwarz, mal weiss, mal rational, mal emotional, mal logisch, mal konfus, mal …..rund, kantig, farbig, hölzern, blechern, mal aus der Tiefe kommend, mal obenauf schwimmend,  mal rasch versinkend. Umwunden, gefesselt, verstrickt strahlend!

 

Zusammenfassung und Konklusion vom 19.6.2007 zum Thema Ich-Du-Sie-Er

Die Arbeit empfand ich als ausserordentlich wertvoll, denn die abgelaufenen Reflektionen zum Ich halfen mir sehr, das an den Anfang der Mappe gestellte persönliche Profil zu erstellen.
Mein Ich-Schmuck strahlt – bei aller Zerbrechlichkeit – mit warmroter Kraft und goldenem Glanz. Das bin ich, in guter Zeit und in full shape – leider nicht immer.
Die Beschreibung meines Du-Projektes fasziniert mich weiterhin derart stark, dass ich mit Bedauern die Reduktion meines Anforderungsprofils, und damit des Kompliments an meine Frau Marie Thérèse miterlebt habe. Hieran werde ich weiter arbeiten. Dies gilt sowohl für die Version mit Saphiren – wohl eher zuerst runde –, als auch für Varianten mit Transparentemail. Mit Letzterem sehe ich sogar die Möglichkeit der Realisation der angesprochenen Kugel tief blau strahlender Sterne, ausgeführt in Fensteremail, wie bei einem meiner Sie-Projekte erstmals erprobt.
Bei meinem Sie-Schmuck habe ich meinen Wunsch nach Abstraktion, Einfachheit und Klarheit nur schwer zurückdrängen können (später auch nicht mehr so sehr wollen/Erlebnis xyz-Laden/ siehe Beispiel mit Dreieck, Quadrat und Kreis), aber dennoch Verspieltes, Buntes, Lebhaftes, Emotionales, Bildhaftes und wohl auch Einmaliges in dieser Art geschaffen. Dies gilt für die Magnetbestückung. Die Tragkonstruktion für den Magnet, obwohl im Ansatz blumig, strotzt vor ‚maskuliner’ Abstraktion. Ein Stück Art déco?
Mein Er-Projekt trifft den im Projektplan beschriebenen Mann, es könnte auch aus Art déco entliehen sein, so sehr passt es von den Materialien, Kontrasten, Farben und Formen in diese Kunstepoche. Ich bin stolz auf diese eigenständige Kreation, für die ich selbst bei einer umfassenden Analyse bestehender Männerschmuckobjekte kein Pendant gefunden habe. Die runden Steine wecken allerdings Assoziationen an weibliche Formen. Ich habe daher auch einen Stein mal als Dreieck geschliffen. Da mit den runden – in ihrer ursprünglichen Form belassenen - Steinen jedoch Stranderlebnisse in Südspanien verbunden sind (die Ich-Sicht), habe ich diesen emotionalen Wert stärker gewichtet als den Anklang weiblicher Proportionen bei meinem Er-Projekt.
Die Analyse des kunstgeschichtlichen Rahmens (Abstraktion, Art déco) verhilft mir zu einer präzisen Orientierung in einem kunsthistorischen Umfeld, in welchem ich mich auch schon in der Vergangenheit mit meiner Malerei viel bewegte, es aber nicht so genau kannte.
Die grosse Eigenständigkeit, mit der ich meine Projekte verfolgte, liess mich einen intensiven Lernprozess durchlaufen, von dem manche Teile meines Themas bereits profitieren konnten, manche müssen allerdings auf ein erneutes Beschreiten des gleichen Weges warten, bis sie von einer besseren Ausführung profitieren können.
Für das Herstellen einprägsamer Unikate braucht es Marktkenntnis, selbst wenn man sich mit Kitsch wie beim Sie-Projekt auseinander setzt. Mein Erlebnis bei xyz-Laden in Bern bewirkte, dass ich das ursprüngliche Ziel verliess und etwas schuf, zu dem ich stehen kann und das auch meiner Sie entspricht.
Fix it right the first time! Hierzu kann seriöse Planung und Vorbereitung hilfreich sein.

 

 

B: Dokumentation des gestalterischen Prozesses

 

 

Ich habe versucht, alle erforderlichen Informationen in lesbarer Form in dieses Dokument zu integrieren. Dennoch füge ich die Originalzeichnungen und Skizzen am Ende dieser Dokumentation in Plastiktaschen bei.

 

 

 

 

 

 

 

 

Mein Ich Projekt                                       Ich will ich sein!                                ‚Ich bin ich!’

 

 

 

 

 

Warum fand ich mich in diesem Projekt? Noch zur Zeit des Besuchs des ersten Abendkurses Schmuck bei M-Art ging ich mit einer Kollegin nach Thun um Steine zu suchen, die wir in unsere Schmuckstücke einarbeiten wollten – ohne zu wissen, wie das wohl gehen könnte -.

 

 

Auf der Suche nach einem Korallencabochon – ich begeistere mich für die Farbe – sah ich diesen herrlichen Ast und schlug voll Begeisterung zu, obwohl ich nicht wusste, wie ich ihn zu einem Schmuckstück verarbeiten würde und obwohl diese Anschaffung mein Budget bei Weitem sprengte.

 

 

Beides, die Schönheit und der hohe Einkaufpreis provozierten mich immer wieder zu Gedankenspielereien, wie ich dieses herrliche Stück wohl in einem Schmuck einfangen könnte, ohne jedoch zu einer für mich überzeugenden Lösung zu gelangen.

 

Unabhängig davon spielte ich bei anderer Gelegenheit auf der Terrasse im herrlichen Sonnenschein mit einem Messingdraht und begann ihn um ein Holz zu wickeln, zu weben und zu flechten. Da lag das Geflecht auf meinem Schreibtisch und die Koralle an anderer Stelle, bis ich eines Tages das Geflecht als Staffage für Fotos brauchte und dabei dieses auch um die Koralle wickelte.

 


Welch herrliche Kombination, der gelbe Glanz des Messinggeflechts auf dem satten Korallenrot. Meine Idee: Mit Golddraht müsste das noch schöner sein. Doch wie komme ich von dieser schön anzusehenden lockeren Umwicklung zu einem sicher tragbaren Anhänger oder einer Brosche?

       

 

Wieder ging ein Jahr ins Land. Die Diplomarbeit sollte mir Gelegenheit geben, eine Lösung für meine wichtigste Frage zu finden: Wie schliesse ich das Geflecht um die Koralle, damit ich sie auch ohne Verlustängste würde tragen können?

 

 

Die Antwort liess lange auf sich warten – alle meine anderen Diplom-Projekte waren bereits fertig - und es waren u.a. meine Erfahrungen bei der Herstellung einer Fensteremailblume für mein Sie-Projekt mit dem gleichen Golddraht, den ich für meine Korallenumwicklung vorgesehen hatte, die mir auf die Sprünge halfen. Ich lötete diesen Draht mit einer nur 1 mm langen Flamme. Zudem merkte ich beim Ausglühen des Drahtes (Durchmesser 0.4 mm), dass dieser die Wärme nicht sehr gut leitete bzw. dass die Abstrahlung sehr gross sein muss; ich konnte ihn ca. 5 cm von der Flamme entfernt anfassen. Ich würde es also wagen – auch unter dem Zeitdruck – die Drähte in unmittelbarer Nähe der Koralle zu löten.

 

 

Zu dieser Schlussfolgerung sah ich mich gezwungen, nachdem zuvor ein Versuch, die Drahtenden in einen Polyacrylring zu führen und dort zu Verkleben, nicht das gewünschte Ergebnis gelieferte hatte.

 

 

Jetzt galt es noch ein Gewebe zu entwickeln, das den Korallenast komplett umspannte und dieses zu realisieren. Handskizzen endeten meist im Chaos,…… oder wurden wieder verworfen, weil das Ergebnis zu stark von der ursprünglichen Intention abzuweichen schien …

 

        

 

…. sodass ich schliesslich mit dem PC simulierte. Mir wurde klar, dass ich mit einem Gewebe breit anfangen würde, dann eine Strecke flechten, um die Drähte anschliessend wieder zum Gewebe aufzufächern.

 

Die zwei ca. gleich breiten Gewebeenden würde ich miteinander verbinden um aus den zusammengezogenen Drähten die Schlaufe zum Aufhängen meines Objektes zu bilden. Hierbei zeigte sich rasch, dass der Draht sich mit dem Flechten zunehmend versteifte, was zusätzliches Ausglühen erforderte. Ein Vorgang, der schnell zu durchschmolzenem Draht oder brüchigen Stellen führte. In einer zukünftig ähnlichen Situation werde ich das Geflecht und den noch zu verflechtenden Draht im Emailofen bei ca. 800 Grad Celsius ausglühen.

 

 

Ich wickelte mein Drahtobjekt um den Korallenast, verband die Enden und verlötete diese. Hierbei provozierte mich die Beobachtung, dass der Draht beim Ausglühen so leicht geschmolzen war, es doch auch noch an der Lötstelle an der Koralle zu probieren. Mit einer sehr scharfen ca. 1 mm grossen Flamme gelang mir das. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich einen derartigen Versuch an einem so kostbaren Objekt nochmals wiederholen würde.

 

 

       

 

Und warum bin ich mit diesem Projekt ich?

Weil ich spontan handle, wenn mich etwas begeistert; …. für eine Problemlösung kämpfe; …gesammelte Erfahrungen vernetzt anwende und übertrage; …. Risiken in Kauf nehme; ….stolz bin auf das Stück; ….inzwischen Zweifel habe, ob es richtig war, ein Objekt mit einer Koralle realisiert zu haben, deren Fortbestand heute bedroht ist. Zu 80 % bin es ich, wegen des Prozesses und wegen meiner Art zu agieren, bleiben 20 % wegen des Eindrucks, des Designs und des Zaubers der verwendeten Materialien.

 

 

 

Mein Du Projekt                                                                                             Du, meine Frau!

 

Ich sehe einen Kreis, eine Kugel tief blau strahlender Sterne, Satelliten, mich ständig auf ruhiger Bahn umkreisend und durch ihr Licht ruhig und ausgeglichen stimmend.

 

 

 

Eigentlich auch ein Beispiel für klassisches Vorgehen. Die Ringgrösse wird bestimmt. Ersten Skizzen folgt die technische Zeichnung. Die Schwierigkeit in dieser Phase bestand darin, den Abstand zwischen den einzelnen Löchern für das Fassen der Steine (grünblaue Triangulisaphire) gleichmässig über den gesamten Umfang des Rings zu verteilen. In der Projektbesprechung stellt NG fest, dass ich mich beim Fassen der Steine wahrscheinlich überfordern würde und dass das Fassen durch einen Professional nur noch einen bescheidenen Arbeitsanteil bei mir beliesse. Was ich auch gut nachvollziehen konnte, nachdem ich erschrocken war, über die grossen Masstoleranzen bei den gekauften Steinen.

 

 

 

 

 

 

 

Wie komme ich anders zu meinem Kreis tief blau (saphirblau) strahlender Sterne? Natürlich lag der Gedanke an Email nahe, aber bisher hatte ich ausschliesslich Opakemail benutzt. Trotzdem, ich würde es mit Transparentemail versuchen und hierbei sollte mir eine Technik helfen, die ich schon bei Silberringen angewandt hatte (Bild links), nämlich einen äusseren Ring mit gesägten, gebohrten und gefrästen Löchern auf einen geschlossenen Innenring zu löten. Dieses Vorgehen wurde von mir favorisiert, weil ich hoffte, auf dem Innenring durch Gravur Strukturen anbringen zu können, die durch das Transparentemail durchschimmern könnten. Nach ersten Versuchen mit einem Stichel auf gebogenem Blech zu arbeiten erkannte ich, dass meine bisherigen Erfahrungen auf ebenem Blech nur schwer auf diese Applikation am Ring übertragbar sein würden. Gezwungenermassen verzichtete ich in diesem Fall auf die Gravur, bohrte und sägte die Löcher auf dem Metallstreifen für den Aussenring, lötete den Aussenring zusammen und feilte die Löcher an dem Aussenring mit einer Rundfeile auf Mass. Dieses Vorgehen wählte ich, weil ich so die Kreise für die Löcher noch mit dem Zirkel im richtigen Abstand voneinander aufzeichnen konnte. Trotzdem sah ich enorme Schwierigkeiten, die Positionierung der Kreise unter Berücksichtigung von zehntel von Millimetern vorzusehen.

NG wies auf nicht einheitliche Abstände hin und auch auf die Tatsache, dass der Abstand einiger Löcher vom Rand nicht gleich sei. Ich solle versuchen, durch nachträgliches Feilen diese Abweichungen zu reduzieren. Ferner wies NG darauf hin, dass diese Löcher erst am bereits gebogenen und gelöteten Aussenring gebohrt und anschliessend mit einem Satz an Kugelfräsern schrittweise auf das Sollmass aufgefräst werden.

Eine in Zukunft zu beherzigende Empfehlung, erzielte ich durch das nachträgliche Feilen doch nicht wirklich eine Verbesserung. Ich lötete den Aussenring auf den Innenring, feilte, schmirgelte und polierte ihn und brannte ihn mit Saphirblau-Transparentemail. 

 

Konklusion: Ich hatte mir die tief blau strahlenden Sterne etwas lebhafter vorgestellt, was hauptsächlich drei Ursachen haben wird: 1. Die Oberfläche des Innenrings unter der Emailschicht weist keine Struktur auf, die zu unterschiedlichen Lichtreflektionen führen könnte (s. oben). 2. Die Emailschicht ist relativ dick und das Email wenig transparent. 3. Die durch den Glanzbrand erzielte harte Spiegelung der Oberfläche des Emails lässt weniger das Erkennen von Feinstrukturen und einer Tiefenwirkung zu, als das bei einer glanzpolierten Emailfläche der Fall ist (s. Beispiel unten)

 

 

Mein Er Projekt                                     Er, Mann!                                     ‚Hard as a Rock!’

 

Ein Beispiel für klassisches Vorgehen. Ersten Skizzen folgt die technische Zeichnung, dann die Materialbeschaffung gemäss Materialliste und die Umsetzung. Zweifel vor der Umsetzung tauchen lediglich auf, als es um die Fragen geht, die Dicke der Rückwand und die Höhe der Zarge festzulegen. Die Höhe der Zarge wird gemäss Vorschlag von NG auf 3 mm reduziert und die Dicke der Rückwand mit 0,8 mm bestimmt)….. mit entsprechenden Konsequenzen für das einzufügende Ebenholzteil und die Bohrung für das Silikonkollier.

           

   

Die Umsetzung gelingt weitgehend problemlos, abgesehen von den erwarteten Schwierigkeiten beim Aussägen des erforderlichen Ebenholzstückes. Zum Glück gab es keine Probleme beim Nieten der Strandsteine.

Am fertigen Stück stellt das geübte Auge von NG fest, dass das Stück beim Feilen, Schmirgeln oder Polieren eine leichte Schräglage bekommen hatte, die mir bis dahin komplett entgangen war. Danke für die Bemerkung. Zukünftige Stücke sollen davon profitieren.

   

Konklusion: Eine detaillierte Planung erleichtert die Arbeit bei der Umsetzung erheblich. Eine der Lessons learnt ist, dass bei allen Arbeitsprozessen nicht nur die Stimmigkeit der Längenmasse, sondern auch die der Winkel im Auge zu behalten ist. Eigentlich gar nicht so neu. Ich vermute allerdings, dass mir das erst beim Schleifen und Polieren passiert ist.

In Bezug auf die Aussage ‚Hard as a rock’ bleibt festzustellen, dass ich beim Bohren der Löcher für die Silberstifte nicht auf Granit ‚gebissen’ habe, sondern lediglich auf Muschelkalk oder Marmor. Trotzdem dünkt mich die Aussage ‚Hard …..’ zutreffend, wenn ich die Kontraste zwischen weissem Stein, schwarzem Ebenholz und metallischem Glanz des Silbers betrachte.

 

 

Mein Sie Projekt                                        Sie, Frau!                               ‚Einfach anziehend!’

 

Natürlich sah ich mich durch die selbst gewählte Zielsetzung, mein Sie-Objekt verspielt, bunt, lebhaft, emotional und bildhaft zu gestalten, extrem herausgefordert. Ich, der ich in der Regel nach Einfachheit, Klarheit und Abstraktion strebt.

Wie beim Ich-Projekt war am Anfang gar nichts klar, ausser dem Wunsch, mich dieser gestalterischen Herausforderung zu stellen. Doch mit dem Begriff ‚anziehend, magnetisch anziehend’ setzte ich mir den Stachel, der mich so manches Mal bei der weiteren Arbeit reizte und provozierte. Und Nicole Geiger schlug – rückwirkend mit grosser Dankbarkeit gesehen -, den Nagel ein, indem sie mir vorschlug, doch das Thema Abstraktion und Schmuck als theoretische Arbeit zu wählen.

Nach magnetisch anziehenden Konzepten Ausschau haltend, stiess ich bald auf in Polyacryl eingeklebte Magnete und dazu passende Eisenplatten. Doch bevor ich mich verspielt auf Buntes und Lebhaftes, Emotionales und Bildhaftes stürzen konnte, galt es die Fragen zu beantworten: 1. Kann ich Silber auf Eisen löten? 2. Kann ich das Eisen sägen? 1. konnte ich nicht; 2. funktionierte gut, auch das Feilen des Eisenblechs!

Da ich jedoch nicht einfach ein Loch in die Eisenplatte bohren und eine Öse durch dieses Loch ziehen wollte, um eine Aufhängvorrichtung zu haben, fand ich schliesslich die gewählte Lösung einer Tasche in einem Silberträger für die Aufnahme der unentbehrlichen Eisenplatte.

Zunächst ein Blick auf diese ‚Konstruktion’. Eine Blüte mit drei Blütenblättern, rund, mit einem zentralen Kreis für Staubgefässe und Stempel.

 

 

 

Ein Blick auf das Profil offenbart, dass mit der Tasche für die Eisenplatte der Kelch eines Blütenbodens imitiert sein könnte. ……..

Und um Art déco herbeizubemühen; lassen die ‚Blütenblätter’ nicht an die Aufsicht von drei Zylindern eines Motors denken. Doch damit hätte ich bereits mit meinem Träger für die Eisenplatte mein selbst gestecktes Ziel verfehlt, da ich bei der Abstraktion in der Kunst, beim Schmuck angekommen wäre (siehe Theorie).

Ich musste auch feststellen, dass das menschliche Hirn noch so abstrakt und bizarr denken und zeichnen mag, es hat kaum die Chance, ein Design zu entwerfen, das nicht schon in der Natur in Form einer Blüte existierte.  Während meiner letzten Ferien auf Mallorca (http://www.art-ist.ch/mallorca_07.htm), aber auch schon vorher und nachher photographierte und studierte ich alle möglichen Blüten. Daher war mir klar, dass es solche mit drei Blütenblättern in der Natur gibt.

 

Nun, der schwierige technische Teil – magnetisch anziehend – scheint zumindest gelöst. Jetzt gilt es noch, auf meine Magnete das Verspielte, … (s.o.) zu setzen.

Brainstorminghaft erstellte Skizzen und solche meines Sohnes aus seiner Kindheit, lieferten erste Ansatzpunkte.

 

Auch hier konnte ich wieder in meine früher mit Euphorie gefüllte Requisitenkiste greifen und Bakelit von einem alten Schreibtischschubladengriff, Ebenholzreste und Acrylglas herausholen, um damit ‚kreativ zu spielen’. Leider waren meine ersten Erfahrungen mit dem Verkleben von Polyacryl negativ (an den mit Acrylkleber versehenen Klebstellen platzte das Polyacryl), sodass das hierfür vorgesehene spielerische Spektrum eingeschränkt war.

Die Farbe wollte und konnte ich, nachdem ich bei einem Besuch in Bern den xyz- Laden entdeckt hatte, nicht mehr mit bunten Steinen, Würfeln und Federn, sondern mit Email einbringen. Hier kam mir zu Hilfe, dass ich eine Fülle kleinster Objekte herstellen konnte und damit auch für mein Du- und mein Ich-Projekt wertvolle Erfahrung sammeln konnte.

 

Doch was passierte mit meinem Thema? Am 12. Juni 2006 erhielt ich ein E-Mail von Ruppenthal, mit dem ich eingeladen wurde, mir die letzten Neuigkeiten auf deren Homepage anzuschauen. Nichts als Blüten aus x- und y- und z-Stein. Heute (14.6.07 lag der Berner Zeitung das Journal LebensART bei, und was finde ich auf Seite 22 ‚Filigrane und anmutige Schönheiten’ ‚Wie eine Blüte?’.

 

Konklusion: Nichts Neues unter diesem Himmel? Ja, ich spielte mit Metallen –Gold und Silber – , mit Techniken und mit Farben (Email) sowie Materialien wie Bakelit und Ebenholz, doch ich landete zu meinem Erstaunen nicht bei ‚Kitsch’. Mein Sie-Objekt ist verspielt, bunt, lebhaft, emotional und bildhaft – aber es ist auch abstrakt! Dies vielleicht, weil mir die Beherrschung der Techniken fehlt, die mir eine ‚naturnahe’ Darstellung ermöglichen würde. Dankbar nehme ich das zur Kenntnis, denn das bewahrt mich vor Kitsch. Was ist schlimmer, als wenn man sich bei den Blumen auf dem Tisch in einem Restaurant fragt, ob es sich um echte oder künstliche Blumen handelt, und man den prüfenden Griff die letzten Zweifel ausräumen lässt.

 

Hier handelte es sich um ein Teilprojekt, bei dem ich es mir gestattete, nicht eine konkrete Projektskizze an den Anfang zu stellen, sondern mich quasi schlafwandelnd, mit den Materialien, Techniken und Formen spielend, an mein Thema heranzutasten. ….. und ständig die Herausforderung zu spüren, ob ich es nicht auch noch anders und besser machen könnte. Eine schöne und bereichernde Erfahrung! Das Ziel, mein Objekt verspielt, bunt, lebhaft, emotional und bildhaft zu gestalten, wurde erreicht … zum Glück mit einem hohen Abstraktionsgrad!

 

 

 

 

Teil B3: Abstraktion und Schmuck

 

Es waren sowohl meine Überlegungen zum SIE als auch die zu den Clichés, die Nicole Geiger (NG) veranlassten, mir vorzuschlagen, Recherchen zu ‚Abstraktion und Schmuck’ zu unternehmen. Dies als kunstgeschichtliche Abhandlung.

 

Ganz unbedarft traf mich dieses Thema schliesslich nicht. In den letzten Jahren habe ich bei meinen gestalterischen Bemühungen immer wieder versucht, das, was ich darstellen möchte, zu vereinfachen, auf das mir wesentlich scheinende zu beschränken. Ich wollte nicht zu blumig, bunt, verspielt, realistisch, gegenständlich (dinglich) mit meiner Arbeit sein und schon gar nicht eventuell kitschig scheinendes darstellen. Aber bei meinem Brainstorming zum Thema SIE fand ich so viel Kitsch, dass ich diesen nicht werde vermeiden können. Also scheine ich mit dem Schmuck für SIE eine Herausforderung anzunehmen, die für das Gegenteil steht von dem, was ich hier als Begriff abhandle, ‚Abstraktion’.

 

Da ich jetzt schon in einige Definitionen hineingeschnüffelt habe, frage ich mich bereits hier, ob mein gegenständliches/ dingliches Schmuckstück für SIE nicht bereits wieder eine Abstraktion ist, nämlich die einer von mir wahrgenommenen Frau. Dann wäre ich bereits hier auf dem (unvermeidlichen?) Holzweg. Sei es drum. Das Ziel ist definiert und weitere Arbeit dient der Erkenntnis. Wie tröstlich, wenn ich unter der Definition zur Abstraktion auch die Bemerkung finde:
‚Darüber jedoch, was genau unter Abstraktion zu verstehen ist, waren und sind sich Denker und Wissenschaftler nicht immer einig
[1].’

 

Ich versuche an den Anfang  die Begriffsklärung zu stellen –‚in aller Kürze’-: Was ist Schmuck?  …. Was Abstraktion? Und somit finde ich ‚Abstraktion und Schmuck’. Gedacht – getan und fertig! Eben nicht, schon folge ich Seitenästen der Argumentation,  und ….. und  ….. und bin plötzlich in einer wohlfeilen, mit Wissenschaftlichkeit der Sprache bestückten, philosophisch vertieften Welt, in der die späteren Verästelungen mich bis zu C.G. Jung und natürlich der Libido geführt haben. (Laut Jung ist Abstraktion eine Zurückziehung der Libido vom Objekt zum subjektiven abstrakten Inhalt, was einer Objektentwertung gleich kommt.[2] ) Das habe ich allerdings nicht gesucht. Aber jetzt weiss ich es. Zumindest für die Kürze der Darstellung in dieser Arbeit ist diese Informationsdichte nicht dienlich. Und natürlich will ich auch meine Gedanken zu Papier bringen, die ich in der Welt der Enzyklopädien nicht oder nur in einem anderen Kontext wiedergefunden habe.

 

Definition von „Abstraktion"[3]

Abstraktion (lat. abstractus- "abgezogen" Partizip Perfekt Passiv von abs-trahere – "abziehen, wegschleppen, -führen; entfernen, trennen") bezeichnet einen Denkprozess, der bestimmte Eigenschaften von nicht-dinglichen und dinglichen Einheiten (Entitäten) zur Begriffsbildung in sprachliche Beschreibungen fasst. Nichtdingliche Einheiten sind zum Beispiel: "die Kälte", "die Eilfertigkeit", "die Wachsamkeit" und dingliche Einheiten "Fahrrad", "Haus", "Baum". Alle mentalen Denkprozesse ob geisteswissenschaftlich oder naturwissenschaftlich, sind durch Abstraktion ein Konstruieren einer abstrakten Wirklichkeit, die nur den Menschen als denkenden Wesen zugänglich sind. So ist der Inhalt der Zeichnung eines Architekten eine nicht-dinglich dargestellte Abstraktion des noch zu bauenden Hochhauses, - das erst dann konkrete - dingliche Wirklichkeit erlangt, wenn es gebaut ist.

Eine sprachliche Abstraktion ist z.B. der Begriff "Einrichtungs-Gegenstände" für "Sofa", "Tisch", "Schrank", "Lampe" usw.

Einfache Begriffserklärung (na, es geht ja auch einfach)

Abstraktion - Etwas zusammenfassend (einfacher) darstellen.

Oder : „To abstract“  means „to draw away, separate, remove, or summarize, so that what remains is the essence of the original."[4] (Definition in einem Buch über Schmuckdesign)

 

Definition von „Schmuck"[5]

Schmuck ist eine Maßnahme zu Verschönerung. Der Begriff hat eine weitere und eine engere Bedeutung.

Im weitesten Sinne meint Schmuck Maßnahmen zur Verschönerung, zur optischen Aufwertung oder zur Wohlstand repräsentierenden (Aus-) Gestaltung von Räumen, Objekten oder Personen. Man spricht auch von Ausschmückung oder von dekorativen (schmückenden) Elementen; siehe dazu die Begriffsklärung Ornament. Schmuck bezeichnet dann auch Elemente, die Tiere oder Pflanzen zu analogen Zwecken ausbilden.
Im engeren Sinne bezeichnet der Begriff Schmuck einen subjektiv als schön empfundenen Gegenstand (Ziergegenstand, aber auch Bemalung), welcher am Körper oder an einem Objekt angebracht wird. Das Wort ist altgermanischen Ursprungs und bedeutete ursprünglich, sich in etwas (etwa ein Kleid) hineindrücken. Den selben Ursprung hat auch der im deutschen für Schmuck im Sinne von wertvollen Kostbarkeiten verwendete Begriff Geschmeide - andere Bezeichnungen für wertvolle, am Körper getragene, Schmuckstücke sind Pretiosen beziehungsweise Preziosen (eingedeutscht).

 

 

Abstraktion und Schmuck, mein Thema!

Mit den obigen Definitionen von Abstraktion und von Schmuck sollte jetzt auch gegeben sein, was diese Definitionen im Kontext beinhalten. Um konkret damit etwas anfangen zu können, fehlten mir  jedoch noch die Zeitachse (Wann?) und die konkreten Beispiele. Ausserdem musste ich feststellen, dass ich in der Literatur nur wenig zu dem Begriffspaar Abstraktion und Schmuck gefunden habe. Erst als ich meine Recherchen auf die der abstrakten Kunst zugeordneten Stilrichtungen Kubismus, Bauhaus und Art déco ausdehnte, fand ich Beispiele.

Bliebe dann die Frage, ob Aussagen zur abstrakten Kunst und abstrakten Malerei auch auf Schmuck bezogen werden können.

Ich bejahe das: Schmuck ist ein Teil der Kunst, und Malerei ist im Rahmen der obigen Definitionen ein Schmuck (Raumschmuck). Also interessiert jetzt noch, wie abstrakte Kunst definiert ist. Auch möchte ich Beispiele zeigen.

 


Definition von Abstraktion in der Kunst [6] Definition von „Abstrakte Kunst"[7]

In der Kunst bezeichnet man die Abstraktion als eine Gestaltung, die zwar von einem Wirklichkeitsvorbild ausgeht, aber davon nur Teile im Werk wiedergibt (beispielsweise nur die Reflexionen des Sonnenlichtes) oder solche besonders hervorhebt. Diese Teile oder die dahinterstehende Wirklichkeit müssen aber nicht zwingend erkennbar sein.

In der Kunst bezeichnet man Werke als abstrakt, die sich von der gegenständlichen Sichtweise entfernen. …..

(Hier zwei Beispiele für ‚Abstrakte Kunst’ aus der Malerei)
Kasimir Malewitsch - Schwarzes Quadrat, 1912                                          Wassily Kandinski - Improvisation Nr. 31, 1913

Kasimir Malewitsch - Schwarzes Quadrat, 1912; Wassily Kandinski - Improvisation Nr. 31, 1913

Abstrakte Kunst[8] ist eine Kunstrichtung, die mit dem Anfang des 20. Jahrhunderts begann, als die ersten Maler sich, als unmittelbare Folge der immer weiter voranschreitenden Entwicklung der Fotografie, immer weiter von der Wiedergabe oder Interpretation der realen Natur in ihrer Malerei entfernten. Man sprach deshalb auch von "gegenstandsloser Kunst", ihre überzeugten Anhänger von "absoluter Malerei". Zu den Wegbereitern der abstrakten Malerei gehören der französische Maler Francis Picabia (1879–1953) und der Russe Wassily Kandinsky (1866–1944), der sein erstes abstraktes Bild eigenen Angaben zufolge im Jahr 1911 malte. Zu den ersten abstrakten Malern zählen weiter der Russe Michail Larionow (1881–1964), der vom Kubismus beeinflusste französische Maler Robert Delaunay (1885–1941), der tschechische Maler Frantisek Kupka (1871–1957), der Schweizer Paul Klee (1879–1940) und der Niederländer Piet Mondrian (1872–1944). Eine Ikone der abstrakten Malerei ist das schwarze Quadrat auf weißem Grund von Kasimir Malewitsch (1878–1935) aus dem Jahre 1913. Seit diesen Anfängen hat die Abstraktion in immer neuen Varianten, Stilrichtungen und Zusammenhängen weltweit ihren Platz in der Kunstszene behauptet.

Die Künstler der Abstraktion bewegten sich parallel zur Musik dieser Zeit. Dort wurde mit der dissonanten Freisetzung des Klangwertes der Einzeltöne und der Entfernung von der Melodie, etwas Vergleichbares zur Freisetzung des Farbtons vom Gegenstand geschaffen.

Merkmale der abstrakten Malerei [9]

allgemein: vom Gegenständlichen losgelöste Darstellungen (geringer bis nicht vorhandener Ikonizitätsgrad = Entfernung vom Naturvorbild)


Darüber hinaus gibt es zwei prizipelle Richtungen:

die expressive Abstraktion, eingeführt durch Kandinski und seine Freunde. Sie wollten mit der befreiten Farbe ihren Gefühlen und Gedanken Ausdruck verleihen. Kandinski verband ja als Synästhet mit jeder Farbwahrnehmung musikalische Empfindungen.

·        typisch: weiche Formen, teilweise fließende Farbübergänge.

die geometrische Abstraktion, verwirklicht vor allen durch

            die Suprematisten mit Kasimir Malewitsch und

            die De Stijl-Bewegung mit Theo van Doesburg und Piet Mondrian.

·        typisch: geometrische Formen in einem Farbton, mit klaren Kanten.

Ein Schlüsselerlebnis  war für mich bei der Suche nach Beispielen für abstrakten Schmuck die Dissertation von Angela Maria Opel[10] an der Universität Trier im Fach Kunstgeschichte. Sie positioniert geometrischen und technoiden Schmuck aus den 20er und 30er Jahren als abstrakte Kunst mit dem Leitgedanken des Geometrischen (Kubismus, Konstruktivismus) und bezieht sich in diesem Zusammenhang auch auf das Bauhaus.

Bauhaus und Art déco Schmuck 1919 - 1940 [11;12]

Der Schmuck dieser Zeit ist klar und sachlich. Die geometrischen Formen entsprechen dem neuen amerikanischen Frauenidol - sportlich und emanzipiert. Die Verwendung von Diamanten bricht in dieser Epoche wohl alle Rekorde. Oftmals wurden mehrere hundert dieser spektakulär funkelnden Steine auch in Verbindung mit "kühlen" Steinen wie Aquamarin, Citrin oder Onyx verarbeitet.

Die entstandenen Schmuckstücke sind prächtig, und die Goldschmiedekunst erreicht in dieser Epoche wohl ihren Höhepunkt. Neben Jugendstilschmuck ist der Art déco Schmuck bis heute der beliebteste Antikschmuck. Er wurde überwiegend in Weissgold oder Platin gefertigt. Im Jahre 1919 wurde in Weimar eine Hochschule für Architektur und Formgestaltung gegründet: das Bauhaus.

Nach Beendigung des ersten Weltkrieges gingen Veränderungen durch Europa. In Deutschland herrschte wirtschaftliche Not. Man wollte Ordnung schaffen. Die Schmuckstücke sind nun klar geformt und geometrisch. Auch wurde häufiger mit billigeren Materialien z.B. Kunststoffe experimentiert. 1925 musste das Bauhaus nach Dessau verlagert werden, wo es 1933 von den Nationalsozialisten geschlossen wurde. In Frankreich gab es 1925 in Paris eine Weltausstellung „Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes“. Von ihr hatte die Epoche ihren Name „Art déco“. Da Frankreich keine wirtschaftliche Krise durch einen verlorenen Krieg hatte, wurden die Schmuckstücke dort luxuriöser gestaltet. Die handwerkliche Perfektion stand im Mittelpunkt. In keiner anderen Zeit wurde soviel Platin zu Schmuck verarbeitet. Auch wertvolle Edelsteine wurden verwendet.

Eine sehr beliebte Schliffform dieser Epoche war der Baguette-Schliff. Bei den Fassungen gab es eine Neuigkeit. Die Steine bekamen unter der Rondiste eine Rille. Bei dieser Technik wurden die Steine durch ein horizontales Drahtgitter gehalten. Diese Rillendrahtfassung ermöglichte eine sichere Befestigung des Steines ohne sichtbarer Fassung. Berühmte Künstler dieser Zeit waren unter anderem Theodor Fahrner, Emil Lettré, Naum Slutzky, Reinhold Ewald und Karl Lang.

Einen Freudensprung  machte ich, als ich auf untenstehende Beschreibung der Art déco stiess, in der ich eine Fülle an Elementen (kursiv gedruckt) wieder fand, die auch in meine Diplomstücke eingeflossen sind.

L’art déco[13]

Après l’Art nouveau, dans les premières années du XXe siècle les formes naturelles se simplifient et se synthétisent, annonçant les figures géométriques des années 1920. Les bijoutiers s’inspirent des styles Empire et Louis XVI pour réaliser des parures souvent composées de platine pour réaliser des montures plus fines et plus souples. Le noir et le blanc, l’onyx et le cristal introduisent des oppositions plus franches, tandis que l’utilisation du lapis-lazuli, du jade et du corail permet de créer une joaillerie haute en couleurs. Les créateurs aiment conjuguer le mat et le brillant, le transparent et l’opaque au service d’une bijouterie très contrastée par les couleurs, les matières, mais aussi les thèmes. Les formes géométriques, issues du mouvement cubiste, donnent des plans nets et tranchés que favorisent les nouvelles tailles des pierres : en baguette, trapézoïdale… Parallèlement à la rigueur du cubisme, les créateurs s’inspirent largement de l’Extrême-Orient, plus particulièrement de la Chine, lui empruntant des matières comme le jade et des thèmes comme les masques.

La veine naturaliste persiste avec des broches « pot de fleurs » ou « bouquet de fleurs » où le joaillier peut donner libre cours à son goût pour les mélanges de couleurs. À la polychromie des années 1920 succède la monochromie des bijoux des années 1930 représentés par des œuvres de Raymond Templier ou de Jean Després. À la fin des années 1920 et au début des années 1930, ce dernier réalise des parures en or blanc et en verre gravé par Étienne Cournault, ainsi que des bijoux qui s’inspirent du monde mécanique, de la machine, de la voiture et de la vitesse.

Les grandes familles de bijoutiers sont représentées dans les collections du musée : Georges Fouquet, qui crée dans son atelier les bijoux dessinés par son fils Jean mais aussi ceux du peintre André Léveillé, du sculpteur Jean Lambert Rucki, de l’affichiste Cassandre et de l’architecte Eric Bagge ; la maison Boucheron, qui fit don d’une grande broche en onyx et corail à la suite de l’Exposition internationale de 1925. De Raymond Templier, …….

 

                 

 

 

Jean FOUQUET, clip, 1937, or, lapis-lazuli, diamants (links)  et Maison BOUCHERON, broche, 1925, platine, onyx, corail, diamants (rechts)

 

 

Jean LAMBERT RUCKI pour Georges FOUQUET, clip, 1937, or

 

 

Das Bauhaus[14]

The Bauhaus masters on the roof of the Bauhaus building in Dessau . From the left: Josef Albers, Hinnerk Scheper, Georg Muche, László Moholy-Nagy, Herbert Bayer, Joost Schmidt, Walter Gropius, Marcel Breuer, Vassily Kandinsky, Paul Klee, Lyonel Feininger, Gunta Stölzl and Oskar Schlemmer.

 



Light-space modulator

Paul Klee

László Moholy Nagy, Light-space modulator, 1922-30, Reconstruction 1970, chrome plated steel, aluminium, glass, acrylic glass, wood

 

Paul Klee's painting offers a clever diagram of a failed info rmation transfer. A bright red arrow - symbolical of the message emerging from the megaphone - meets a fragile "ear" and engenders on the other side of it a little green exclamation mark. The message has been transmitted, even if only in a complementary color and therefore transformed into its opposite.

Marianne Brandt, Tea-extract pot, 1924

Marianne Brandt, Tea-extract pot, 1924, Brass, silver, ebony

Weitere Beispiele für Raum-‚Schmuck’ aus der Zeit des Bauhaus: Le Corbusier[15] mit der „Skulptur“ aus Holz und Eisen (Mitte) und ein Ölgemälde „Violine“(links) von 1920 und „La bouteille de vin rouge“, 1922.

   

 

Ich halte es für hilfreich - für eine gute Orientierung in der Kunstszene Ende des 19. und Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts -, mit folgendem Literaturzitat auf eine Beschreibung der verschiedenen Ausdrucksformen der Modernen Malerei (Moderne Malerei[16]) und deren kunstgeschichtliche Eingliederung in einen grösseren Rahmen hinzuweisen.

 

Abschliessende Betrachtung zum Thema Abstraktion und Schmuck

Was mich nach den bisherigen Recherchen störte, war die Beobachtung, dass der Begriff Abstraktion fast ausschliesslich im exakt kunstgeschichtlichen Zusammenhang mit der Kunst des 20. Jahrhunderts gebraucht wurde. Andererseits muss man so grosse Vertreter der abstrakten Kunst  wie Pablo Picasso (Malerei, Skulpturen, Drucke z.B.) über den Kubismus in diesen Kunstbereich hinein definieren. In diesem Zusammenhang hat es mich gefreut, meine bisherige Sicht der Dinge bestätigt zu sehen, dass man auch im Zusammenhang mit z.B. Steinzeitkunst von Abstraktion spricht (Gisela Zahlhaas, Orient und Okzident - Frühe Götterbilder und Opfergaben[17]).

Auch afrikanische Masken und Skulpturen fallen für mich unter abstrakte Kunstwerke – offensichtlich Anfang des 20. Jahrhunderts noch im wahrsten Sinne als primitiv apostrophiert. Diese Kunst erfuhr angeblich zuerst über private Kunstsammlungen (z.B. Rietberg Museum in ZH) ihre Wertschätzung. Heute ist es selbstverständlich, dass Kunst der Naturvölker nicht nur unter ethnologischer Betrachtung Eingang in öffentliche Museen findet, sondern auch als Gegenüberstellung zur zeitgenössischen Kunst (z.B. neben kubistischer Malerei und  Skulpturen von Kirchner und Heckel) in öffentlichen Kunstsammlungen.

Überhaupt, Abstraktion als Konzentration auf bestimmte, subjektiv als wichtig empfundene Reduktionen zum Vermitteln einer eindrucksvollen/ bedeutenden Aussage findet sich nicht nur im Impressionismus (Spiel mit dem Licht), Expressionismus, Kubismus (beide Spiel mit Farbe und Form), Symbolismus und beim Bauhaus, sie liegen ebenso den steinzeitlichen Höhlenmalereien aber auch den ägyptischen Hieroglyphen zugrunde. Was sind letztere anders als die Abstraktion von Bildern, die sich mit der Zeit in Schriftzeichen verwandelten und damit leicht einsetzbare Instrumente für das Weiterverbreiten von Informationen wurden? Meisterwerke der Abstraktion sind auch chinesische und japanische Tuschezeichnungen oder Aquarelle.

Bleibt noch die Frage, warum die Abstraktion im abendländischen Kulturraum in technisch wenig entwickelten Epochen, um nicht zu sagen ‚primitiven Kulturen’, so dominant war, dann mit der Entwicklung und Verfeinerung der materiellen und technischen Mitteln zurückging, um dann auf einmal wieder mit voller Wucht aus den Künstlern Anfang des 20. Jahrhunderts herauszubrechen?

War es nicht die Beschränktheit der technischen Mittel, die bei Naturvölkern und in z.B. der Steinzeit den Verfeinerungsgrad der Arbeiten limitierte und so automatisch zur Abstraktion im Sinne von Vereinfachen führte?

Schliesslich folgten im europäischen Kulturkreis Jahrhunderte/ Jahrtausende der Entwicklung neuer verfeinerter Techniken und Materialien. Der Reiz bestand darin, diese zu beherrschen und zu applizieren. In der Renaissance und im Klassizismus noch darauf zielend, naturgetreue ebenmässige und ausgewogene Bilder und Skulpturen von hohem Perfektionierungsgrad herzustellen, so uferte die Anwendung im Barock in überfliessende Opulenz  und Fülligkeit aus. Gemessen am Barock sind die Stilelemente des Jugendstils, obwohl nicht schnörkelfrei, doch schon erheblich abstrahiert. Ist Jugendstil nicht sogar die Konkretisierung des eleganten Schnörkels auf höchstem handwerklichen Niveau, also bereits ein Aufbruch in die Abstraktion?

Was dann folgte, ab dem Impressionismus ist Revolution, Auflehnung. Vor allem Revolution gegen eine aufwendige Arbeit in Zeiten einer neuen Technologie, der Fotografie, deren Darstellungsdetailliertheit man mit malerischen Mitteln ohnehin nicht übertreffen konnte. Was liegt dann näher, als in einem ersten Schritt der Auflehnung das Licht in das Visionäre, Irreale zu entrücken. Dem folgten die Linien und die Körper, die Farben und schliesslich, mit dem Surrealismus, die Kontexte.

Zurück zu meiner Arbeit am Schmuckobjekt für SIE. Ich stelle fest, dass ich heute Darstellungen von z.B. Arp, die ich als gegenstandslos beschrieben sehe, nur als gegenständlich sehen kann und erlebe. Ich handle, denke und drücke mich mittels Abstraktionen aus. Andererseits sind Dinge, Gegenstände, die ich in den Schmuck für SIE integriere ‚Symbole’, selbst wenn es Gegenstände wie gefärbte Federn wären. Liegt das vielleicht an der Färbung? Die Feder, selbst ungefärbt, steht für ……….?

Ich gebe auf. Ich verwende auch keine gefärbten Federn. Wir leben in einer abstrakten Welt und müssen froh sein, wenn wir von Zeit zu Zeit Realitätsbezug haben. Diesen erlebe ich regelmässig, wenn ich eine ‚abstrakte Zielsetzung’, eine Vision von einem Schmuckstück in ein real existierendes Stück umwandeln will. Es ist die noch weiter zu entwickelnde handwerkliche Kompetenz, die mich daran hindert, auf Wolke Nr. 9 zu entschweben. Danke.

 


[1] Wikipedia

[2] Wikipedia

[3] Wikipedia

[4] Allerdings auch dort als Zitat ohne Quellenangabe: The art of jewelery from idea to reality, Elisabeth Olver

[5] Wikipedia

[6] Wikipedia

[7] Wikipedia

[8] Wikipedia

[9] Wikipedia

[10] Dissertation von Angela Maria Opel an der Universität Trier im Fach Kunstgeschichte, 1998

[11] http://www.goettgen.de/eigene-herstellung/schmuck-epochen/bauhaus-art-déco.html

[12] http://www.return2style.de/swingaring/architek.htm

[13] http://www.lesartsdecoratifs.fr/fr/01museeartsdeco/galerie_bijoux/02histoire-bijou/art-deco.html

[14] http://www.bauhaus.de/english/museum/bha_ausstellung.htm

[15] http://www.tu-harburg.de/b/kuehn/lecm.html

[16] http://home.wolfsburg.de/stadtbibliothek/Literaturservice-Dateien/moma.html

[17]Gisela Zahlhaas, MITTEILUNGEN der FREUNDE DER BAYERISCHEN VOR- UND FRÜHGESCHICHTE, http://www.lrz-muenchen.de/~arch/mitt/mitt112.htm, Nr. 112 vom 30. August 2005, 

 

Schmuck SelectionSchmuck SelectionKetten Schmuck2006 Schmuck2007 Schmuckinspirationen Ringwanderung Diplomarbeit
  Emailarbeiten 

© Copyright by Peter Leister

Home